Artischokenersatz und Löten

Seit Tagen gibt es pan casero (hausgmachtes Weißbrot), der Rest Käse wird eingeteilt und heute gibt es Reis mit Kakaopulver pur. Ich bin ausgezehrt. In Erinnerung an Artblog1802_distelnischocken essen wir die Blütenböden der hier zu Tausenden wachsenden Disteln. Genießbar, aber unsere drei verspeisen sie mit mehr Appetit. Die Ruhe tut gut. Es ist wunderschön hier. Jefe, trueno und söckchen kauen zufrieden. Besonders Jefe genießt die Gesellschaft der anderen Pferde, die sich mehr oder weniger in unserer Nähe aufhalten. Potentielle Herdenmitglieder.

Wir nutzen die Zeit für kleinere Reparaturen: der abgerissenen Verschluss der Packtasche wird angenäht und der Riss in der Hose. Roland repariert das Weidezaungerät. Beim Einreißen des Zauns gestern hat es einen Schlag abbekommen und funktioniert nicht mehr zuverlässig. Der Wackelkontakt ist schnell gefunden. Mit zwei Drähten, die wir blog1802_loeten
irgendwo aufgesammelt hatten, und der Hitze des Lagerfeuer lötet er die lose Verbindung wieder an. Ohne Rolands
handwerkliches Geschick wären wir aufgeschmissen. Was du nicht selbst erledigen kannst, passiert nicht.

Beim Herumstreifen und Feuerholz sammeln finde ich ein gut erhaltenes Pferdegebiss. Wir staunen über die Länge der Zähne – der Backenzahn misst acht oder gar neun Zentimeter. Der obere erste Zentimeter ist mit weißem, rissigen Zahnschmelz umgeben. Er hat scharfe Hacken. In Deutschland wär man sich einig, dass hier ein Pferdedentist ran muss… Die lange vergilbte Wurzel endet in zwei offenen Kanälen, die den Zahn versorgt haben. Wie fest er doch noch im Kiefer verankert ist. Mit Hilfe eines Steines brechen wir das Erinnerungsstück heraus und lassen es in blog1802_gebissder Packtasche verschwinden.

Wir genießen den Luxus dieser unendlichen Ruhe. Nur das Brutzeln der Pfanne auf
dem Lagerfeuer ist zu hören. Darin gart langsam das Spezial“brot“ für Roland. Es erinnert eher an Hackfleischklops – eine Mischung aus Mandel- und Sojamehl mit Leinsamenschrot.

Später am Abend kurz vor der Dämmerung trauten wir unseren Augen nicht:
Ein Fußgänger kam nicht eilig durch das Tal gelaufen. Seine Erscheinung war sehr seltsam: er trug einen langen Bart (was in Patagonien sehr ungewöhnlich ist), hatte kein Pferd bei sich und zog irgendetwas an einem Seil hinter sich her. Wir grüßten von der Ferne. blog1802_brotEr hob kurz die hand zum Gruß und lief, ohne das Tempo zu verändern in der eingeschlagenen Richtung weiter. Wohin will er um diese Zeit? Sollte es doch noch ein Puesto hier oben geben? Wir schauen dieser ungewöhnlichen Erscheinung noch sehr lange nach.

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