Weil die Kondore mein Herz berühren

Ich weiß nicht, ob es in meinem Leben einen ehrfürchtigeren Moment gegeben hat, als die Begegnung mit Andenkondoren bei der Querung des Vulkan Lanin.

Nach sechs Stunden Aufstieg hat sich Salvadore, der Guide am höchsten Punkt der Querung auf über 2000 m verabschiedet. Er müsse sich beeilen und umkehren, weil er seinen langen Rückweg bei tageslicht zurücklegen möchte. Wir bedanken uns glücklich und erschöpft für seine Führung in die menschenleere Stein- und Eiswüste am heiligen Berg der Mapuche. Ich löse mich gerade aus der herzlichen Umarmung, als vier Kondore kommen und über uns kreisen.

Mir stockt der Atem, so fasziniert bin ich vom Gleitflug der fliegenden Riesen. Drei Meter Flügelspanne. Unvorstellbar. Die Könige der Lüfte ziehen neugierig ihre Runden um uns.

Ein lauter und wieder leiser werdendes Surren zerschneidet die Stille, die nur ab und an von herunterbrechenden Eisbrocken des Gletschers unterbrochen wird. Was ist das?

Die Schwungfedern der Kondore singen ein Lied.

Der Anblick und das Lied haben tiefe Spuren in meinem Herzen hinterlassen. Später habe ich noch sehr oft Kondore beobachten können. Immer wieder haben mich diese Majestäten in der Tiefe meines Seins berührt. Das Erhabene, das Freie hat in mir Resonanz gefunden.

Hunderte Male ist meine Seele mit ihm geflogen, mit ihm über die Bergketten und Täler der Anden. Hunderte Male habe ich aus seiner Perspektive mich, mein Leben und meine Reisen betrachtet.

Ich kann seiner Faszination nicht widerstehen. Stundelang kann ich seinem Gleitflug zuschauen oder warten, bis er auf einem Felsvorsprung eine Flügel breitet, um sie im Sonnenlicht zu trocknen und zu wärmen. Tagelang kann ich mit ihnen sein.

Der Andenkondor hat keine natürlichen Feinde. Der Mensch, der Giftköder auslegt, um Pumas oder andere Jäger der Ziegen und Schafe zu töten, hat viele Kondore auf dem Gewissen. Als Aasfresser fallen sie über die toten, vergifteten Körper her, um sich zu ernähren. Und sterben. Immer wieder werden solche Massaker mit zig toten Kondoren entdeckt. Es gibt schätzungsweise nur noch 10.000 reproduktionsfähige Tiere. Wir dürfen sie nicht aussterben lassen!

Die traditionellen Bewohner sahen in ihm einen Boten der Götter. Und wie ist das heute? Was macht die Anwesenheit des Kondors heute mit den Gauchos in den Bergen? Welche Bedeutung hat er für sie? Diese Frage treibt mich um. Werde ich etwas herausfinden können?

Kontakt mit den Spirits zu bekommen,

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